Fortsetzung Teil 4 – Die Macht der Wörter

„DIE GRÖSSTE MACHT HAT DAS RICHTIGE WORT ZUR RICHTIGEN ZEIT.“ (MARK TWAIN

Wörter rufen gewollte und ungewollte Reaktionen hervor. Ein Wort beschwört ein Bild herauf, was wiederum Emotionen und Gefühle im Menschen auslöst. Oft folgt dieser Kettenreaktion eine Handlung. Große Führungspersonen, Denker und Schriftsteller haben die Macht der Wörter gebraucht, um mit ihren Reden oder Schriften bestimmte Emotionen bei den Empfängern zu verursachen. Wörter geben zudem Kraft oder können lähmen, sie können beruhigen oder beunruhigen. Jede Person geht auf eine andere Weise mit Kritik um und verbindet mit dem gleichen Wort unterschiedliche Bedeutungen und Emotionen. Abhängig von den persönlichen Erfahrungen entstehen angenehme oder unangenehme Empfindungen. Starke, kraftvolle Wörter intensivieren starke Gefühle, im Positiven wie im Negativen. Unsere Wortwahl geschieht meist unbewusst, wobei häufig genutzte Wörter unsere Kommunikation beeinflussen. Die emotionale Konditionierung, was jemand bei einem Wort empfindet oder
gelernt hat, wird sehr stark vom Umfeld und den Eltern geprägt. Das erklärt, warum bestimmte Wörter Stress auslösen und negative Emotionen auslösen können.
Über alle Sinnesorgane nehmen wir Eindrücke, Gerüche, Geräusche und viel mehr war. Die Sinneseindrücke werden dann an das Gehirn weitergegeben. Die Bedeutung, die wir dem Sinneseindruck zuschreiben, entsteht durch eine Bezeichnung, ein Wort. Häufig werden allerdings die gleichen Wörter für unterschiedliche Eindrücke gebraucht, weil wir unseren Wortschatz nicht genügend differenzieren. Auffällig wird dieser unbewusste Gebrauch oft bei negativen Wörtern: das gleiche negative Wort wird für unterschiedliche Wahrnehmungen genutzt. Gerade weil das Bezeichnete sich vielfach nicht exakt entspricht (nicht im eigentlichen Sinn synonym ist), beeinflussen Konnotationen mit den jeweiligen Situationen unsere Emotionen. Was für Gefühle werden ausgelöst, wenn ein Vortrag im Klassenkonzert als ‚ganz in Ordnung’ bezeichnet wird? Selbst ein positiv gemeintes Feedback, das mit ‚gut’ bezeichnet wird, kann bereits negativ wahrgenommen werden, weil wir das Wort ‚gut’ ggf. sowohl für wirklich Gelungenes als auch für weniger Gelungenes benutzen. Wenn man sich nur einige wenige Synonyme von diesem Wort in das Gedächtnis ruft, fällt eine unglaubliche sprachliche Vielfalt und Beschreibungsmöglichkeit auf: beachtlich, ausgezeichnet, erfreulich, einwandfrei, beeindruckend, außergewöhnlich, anregend, mitreißend, farbig, fesselnd, in Ordnung, respektabel, korrekt usw.
Die Wortwahl beeinflusst unsere Gespräche und hat einen besonderen Einfluss auf Feedback-Nachrichten. Wir bringen das Verständnis für viele Wörter auf, nutzen aber nur einen Bruchteil unserer sprachlichen Möglichkeiten. Der Duden gibt an, dass gegenwärtig der Wortschatz der deutschen Sprache etwa 300 000 bis 500 000 Wörter umfasst, von dem aktiv im Durchschnitt nur 12 000 bis 16 000 Wörter genutzt werden. Die Zahlen machen deutlich, wie wenig abwechslungsreich wir unseren Wortschatz nutzen. Nach einem Forschungsprojekt zu Goethes Sprache umfasste dessen Wortschatz immerhin 90 000 Wörter, Shakespeares Wortschatz scheint demgegenüber mit rund 29 000 Wörter fast klein. Vielleicht regen diese Zahlen an, den eigenen Wortschatz zu erweitern, um für eine Feedback-Nachricht die richtigen Worte zu finden.
Unsere Sprache nimmt auch Einfluss auf unser Denken. Sprachforscher sind sich noch uneinig, inwieweit die Sprache das Denken bestimmt, was zu einer grundlegenden Diskussion zur Frage nach dem Wesen des Menschen und seiner Wahrnehmung führt. Auf diesen Aspekt möchte ich an dieser Stelle aber nicht weiter eingehen, denn das würden den Rahmen dieser Arbeit übersteigen. Einleuchtend ist allerdings, dass durch die Muttersprache bestimmte Denkmuster angeeignet werden.
Sprache hat unterschiedliche Wirkungen: die Sprache eines Krimis ist anders als die eines Romans, ein Kompliment berührt anders als eine Kritik. Forschungen bei den Aborigines haben aufgezeigt, dass die Sprache kognitive Fähigkeiten beeinflusst. Studien haben gezeigt, dass diese ein anderes Orientierungssystem anhand der Himmelsrichtungen haben, weil das in ihrer Sprache verankert ist. Sprachen prägen auch unterschiedliche Bereiche wie Raum und Zeit.
Wie können wir nun die richtigen Wörter für Gespräche, in Proben und im Unterricht finden? Mein Vorschlag ist aufmerksamer auf unsere Wortwahl zu achten und diese nicht nur zu reflektieren, sondern auch manchmal in Frage zu stellen. Darauf möchte ich bewusster in der nächsten Zeit achten und würde mich über einen Austausch über dieses Thema freuen.

Fortsetzung folgt… Nächster Teil: Feedback – Umsetzung im Instrumentalunterricht

Danke fürs Lesen!

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