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13. März 2019

Fortsetzung Teil 3 – 2) Hinweise für Feedback-Nehmer und 3) Umgang mit Kritik

Die innere Haltung und Einstellung ist beim Feedback-Geben und Feedback-Annehmen wichtig. Auch der Empfänger kann einiges beim Annehmen des Feedbacks beachten. Ein Feedback wird erst dann wirksam, wenn es auf einen Empfänger trifft, der von sich selbst eine gute Meinung hat und mit seinen Gefühlen umgehen kann. Der Empfänger kann so vielmehr vom Feedback profitieren. Der Erwerb eines positiven Selbstwerts stellt allerdings einen lebenslangen Lernprozess dar. Eine offene Einstellung seitens des Feedback-Nehmers, gepaart mit einem gesunden Selbstwertgefühl erleichtert dem Feedback-Geber seine Botschaft zu vermitteln. Niedrige Leistungsmotivation und eine fragile Persönlichkeit hingegen erschweren ein erfolgreiches Feedback.
Der Feedback-Geber und der Feedback-Nehmer müssen den jeweiligen Gesprächspartner mit Respekt behandeln. Der Feedback-Nehmer sollte mit einer dankbaren Einstellung aufmerksam zuhören, ausreden lassen und zuerst das Feedback wirken lassen, bevor er sofort beginnt zu antworten und sich gegebenenfalls zu verteidigen. Kontraproduktiv ist es, den anderen zu unterbrechen und sich sofort zu rechtfertigen. Allerdings muss der Feedback-Nehmer deutlich kommunizieren, wenn ein Feedback unerwünscht ist. Auch wenn er nur ein Feedback zu einem bestimmten Verhalten bekommen möchte, ist es hilfreich, dies klar und deutlich dem Feedback-Geber mittzuteilen. Die eigene Wahrnehmung ist subjektiv und Rückfragen können helfen, Missverständnisse zu klären. Die Nachricht sollte deshalb nicht gleich als persönliche Kränkung empfunden werden, allerdings muss bedacht werden, dass der Umgang mit positivem Feedback sehr viel leichter ist, als mit negativem Feedback.

3) Umgang mit Kritik

Die für kritisches Feedback empfohlene ‚Sandwich-Theorie’ , ein negatives Feedback zwischen zwei positiven Aussagen zu packen, ist meiner Meinung nach mit Vorsicht zu gebrauchen. Es kann passieren, dass Schüler nur die positive Mitteilung heraushören und das eigentliche kritische Feedback missverstehen. Schon Goethe schrieb: „Zwar hören wir gern, was unsre Meinung bestätigt, aber das Hören bestimmt die Meinung.“
Kritik wird dann als ‚abwertend’ wahrgenommen, wenn sie vom Feedback-Nehmer persönlich genommen wird. Dies jedoch kann der Feedback-Geber jedoch nicht immer beeinflussen, denn was persönlich ist oder nicht, definiert jeder für sich selbst. Eindrücke sind nicht falsch oder richtig, sondern subjektive Wahrnehmungen. Früher oder später wird jeder Mensch mit Kritik an sich oder seinem Verhalten konfrontiert und es liegt an uns zu lernen, damit umzugehen. Für den Feedback-Nehmer ist dann ein kritisches Feedback erfolgreich, wenn er lernt dieses für sich zu deuten und aufkommende negative Gefühle schneller zu verarbeiten. Nagender Selbstzweifel, Selbstverurteilung und schlechte Laune sind Zeichen, dass der Feedback-Nehmer den Umgang mit Kritik von außen noch verbessern kann. Es liegt an uns, Kritik als ein Geschenk zu verstehen und als Chance zur Veränderung.
Eine offene Einstellung erleichtert einen positiven Umgang mit kritischem Feedback. Eine negative Interpretation des Feedbacks seitens des Feedbacks-Nehmers kann die Beziehung zwischen den beiden Gesprächspartner belasten, vor allem dann, wenn Gefühle von Kränkung und Ablehnung nicht offen angesprochen werden. Der Feedback-Geber muss dem Gesprächspartner aber auch die Zeit geben, das Feedback ‚zu verdauen’ und über dieses nachzudenken.
Der Feedback-Geber kann mittels seiner Wortwahl ganz wesentlich entscheiden, wie seine Nachricht aufgenommen werden soll. Oft haben Worte ungeahnte Auswirkungen und
meistens wird erst dann ihre Kraft bewusst, wenn die Reaktion des Empfängers sichtbar wird.

Fortsetzung folgt… Nächster Teil: Die Macht der Wörter

Danke fürs Lesen!

– Aloisia Dauer
(Aus technischen Gründen, können die Fußnoten leider nicht angezeigt werden. Ich werde das vollständige Quellen- und Literaturverzeichnis veröffentlichen.)

6. März 2019

Forsetzung Teil 2 – 3. Hinweise für ein erfolgreiches Feedback

Die Feedback-Situation ist herausfordernd und die Einhaltung von gewissen Regeln helfen diese Herausforderung zu meistern. Sowohl das Feedback-Geben als auch das Feedback-Nehmen will gelernt sein. Rückmeldungen sollten eher beschreibend als wertend formuliert werden, eher konkret als allgemein. Feedback sollte eher hilfreich sein als zurechtweisend. Das Feedback sollte klar formuliert werden und zielgerichtete Aussagen enthalten. Vage und verschwommene Botschaften können leicht missverstanden werden. Auch Ziele und Wünsche des Feedback-Gebenden müssen verständlich formuliert werden, damit sie konstruktiv und hilfreich wirken können. Selbstverständlich sollten die vermittelnden Botschaften echt gemeint und inhaltlich wahr sein. Wichtig ist die deutliche Unterscheidung von verhaltensbezogenen und charakterbezogenen Mitteilungen.
Im Alltag sollte einem Kommunikationspartner ein Feedback nicht aufgezwungen, sondern zuerst um Erlaubnis gefragt werden. Eine solche Erlaubnis muss im Unterricht nicht immer eingeholt werden. Der Lehrer hat dem Schüler gegenüber eine pädagogische Verantwortung, entsprechend gehören Rückmeldungen über den Lernprozess zum Lehr-Lernprozess dazu. Allerdings muss er auch darüber entscheiden, wie zeitnah an beobachtetem Verhalten ein unmittelbares Feedback gegeben wird. Trotz der ‚Regel’ unmittelbar Feedback zu geben, muss der Lehrer situationsbezogen abwägen, ob ein Feedback eine positive Wirkung erzielen würde. Aufgrund eigener Erfahrungen als Feedback-Nehmer weiß ich, dass einige Feedback-Nachrichten, die unmittelbar nach Konzerten oder Wettbewerbsauftritten gegeben wurden, in diesen Momenten weniger Wirkung erzielt haben. Der Lehrer muss lernen, ob und wann der Schüler offen für eine Rückmeldung ist.
Der Feedback-Geber, der Lehrende, muss zudem versuchen, sich in den Feedback-Nehmer hineinzuversetzen und das Feedback möglichst klar formulieren, so dass der Feedback-Nehmer, der Lernende, dieses auch versteht. Der Lehrer sollte beim Feedback-Geben auch klar zwischen dem Verhalten des Schülers als Musiker und als Mensch unterscheiden. Gerade Feedback zu zwischenmenschlichen Vorgängen muss mit viel Einfühlungsvermögen gegeben werden. Im Instrumentalunterricht stellt neben verhaltensbezogenen Mitteilungen auch die rein motorische Beschreibung eines Bewegungsablaufs ein Feedback-Mittel dar.

1) Hinweise für Feedback-Geber

Ein respektvoller Umgang mit dem Gesprächspartner ist in allen Gesprächsformen Grundlage für eine erfolgreiche Kommunikation. Kommunikation ist nicht nur Austausch von Informationen und Wissen, sondern ermöglicht eine Interaktion zwischen Personen damit Beziehungen aufgebaut werden. Im Instrumentalunterricht bildet die Beziehungsebene von Lehrer und Schüler eine wichtige Grundlage für eine gute Kommunikation. Der Lehrende sollte ein hohes Maß an Sensibilität hinsichtlich der persönlichen Eigenheiten der Schüler und Schülerinnen entwickeln und diesen auch beim Feedback-Geben Wertschätzung und Respekt entgegenbringen.
Die Formulierungen und Wahl der Worte sollten dem Denk- und Erlebnisrahmen des jeweiligen Gesprächspartners angepasst sein, was wichtig ist im Unterricht mit Kindern, genauso wie die Anpassung an Dialekte und sprachliche Besonderheiten. Wie schon im vorherigen Kapitel angesprochen, sollte auch der richtige Umgang mit Fehlern im Unterricht dem Schüler und seinen Fähigkeiten angemessen sein. Bevor der Instrumentallehrer seine Feedback-Nachricht gibt, ist es sinnvoll, dass zunächst der Schüler eine eigene Einschätzung abgibt, also so etwas wie ein Selbstfeedback übt. So ermöglicht sich eine weitere Lernmöglichkeit für den Schüler, wenn dieser zuerst um eine eigene Einschätzung gebeten wird. Feedback sollte mit Bedacht gegeben werden und die am Anfang des Kapitels aufgelisteten Grundsätze können dabei hilfreich sein. Außerdem sollte Feedback zum richtigen Zeitpunkt erfolgen und in ‚kleinen Happen serviert’ werden. Nur so besteht seitens des Feedback-Nehmers die Chance, dass er dieses richtig versteht, verarbeitet und daraus lernt. Rückmeldungen sollten ferner als Aussagen formuliert werden und nicht als Fragen formuliert werden, um ihr Ziel so nicht zu verfehlen. Allerdings können auch gut gestellte, offene Fragen den Schüler zum Nachdenken und zu einem Selbstfeedback anregen.
Der Wertungsmaßstab muss klar definiert sein, genauso wie die zu erfüllenden Kriterien und mögliche herangezogene Vergleiche. Abschließende Fragen können helfen, Missverständnisse zu beseitigen. Eine ruhige und angenehme Atmosphäre kann in einem solchen Prozess dem Empfänger helfen, sich zu öffnen. Entsprechend wichtig ist es, genügend Zeit für ein Feedback-Gespräch einzuplanen.
Im musikalischen Bereich arbeiten Menschen aus verschiedenen Kulturen und mit den verschiedensten Sprachhintergründen zusammen. Einem fremdsprachigen Gesprächspartner Feedback zu geben, bringt die zusätzliche Herausforderung, dass eine sprachliche Hürde überwunden werden muss. Auch auf kulturelle Unterschiede muss der Feedback-Geber achten, damit das Feedback richtig aufgenommen wird. ‚Ich-Botschaften’ und eigene Erfahrungen bieten sich an, um beim Empfänger die Bereitschaft zum Zuhören zu fördern und auch eine gute Gesprächsbasis für ein negatives Feedback zu schaffen. Durch Einschränkungen und angehängte Entschuldigungen wird hingegen das Feedback abgeschwächt oder zurückgenommen. Dies kann beim Gesprächspartner Verwirrung auslösen. Unbewusst gesendete nonverbale Signale mittels der Körpersprache können auf indirekter Weise ein Feedback kommentieren. Eine verbal explizit formulierte Aussage kann leicht durch Gestik und Mimik unterstrichen aber auch widersprochen werden.

Die Kunst liegt demnach darin, ein Feedback zu geben, ohne den Feedback-Nehmer zu verletzen. Dabei lassen sich eindeutig gute von schlechten Formen der Nachrichtenübermittlung unterscheiden. Unangebracht sind etwa ironische Bemerkungen und Scheinfragen, genauso wie Unterstellungen und Vermutungen. Auch eine ungenaue oder pauschale Aussage kann der Feedback-Nehmer schlecht umsetzen. Fehl am Platz sind ferner Anschuldigungen und persönliche Kritik an der Person. Feedback soll sich auf das konzentrieren, was der Gesprächspartner verändern kann. Obwohl der Lehrer oft auch eine therapeutische Funktion im Instrumentalunterricht inne hat, eignet sich der Moment des Feedback-Gebens nicht dazu, Psychoanalyse zu betreiben, denn Instrumentallehrer sind keine geschulten Therapeuten.

Fortsetzung folgt… Nächster Teil 2) Hinweise für Feedback-Nehmer und 3) Umgang mit Kritik

Danke fürs Lesen!

– Aloisia Dauer
(Aus technischen Gründen, können die Fußnoten leider nicht angezeigt werden. Ich werde das vollständige Quellen- und Literaturverzeichnis veröffentlichen.)

11. Februar 2019

Erfolgreich Feedback geben

In den letzten Wochen konnte ich durch die intensive Vorbereitung meiner Schüler für Jugend Musiziert wichtige Erfahrungen machen. Zudem wurde ich gefragt, in einem Regionalwettbewerb in einer Jury zu sitzen und so wurde ich nicht nur einmal mit der Situation eines Beratungsgesprächs, Feedback geben oder dem Schüler motivierend zur Seite stehen konfrontiert. Ich habe mich mit dem Thema schon in meiner Abschlussarbeit am Mozarteum damit beschäftigt und möchte diese gerne hier teilen. Nicht nur als Lehrerin, sondern in vielen Situationen lerne ich immer wieder neu den Umgang mit Feedback geben und bekommen. Und natürlich stellt sich oft die Frage: “Was und wie sage ich jetzt nur diese Sache, damit sie für den Gesprächspartner auch wertvoll und umsetzbar ist?”

1. Einleitung

Kommunikation ist ein spannendes und umfangreiches Thema, denn es betrifft jeden Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen. Ich wollte in meiner Bachelorarbeit den Schwerpunkt bewusst auf das Thema ‚Feedback geben’ legen und mich intensiver damit auseinandersetzen, auch um für die Arbeit im Instrumentalunterricht dazuzulernen. Wichtig erschien mir nach einem praktischen Zugang zum Thema ‚Feedback geben’ zu suchen.
Der Begriff ‚Feedback’ ist eigentlich den meisten Menschen gebräuchlich, trotz allem wissen die wenigsten, wie ein gutes Feedback formuliert werden sollte. Es gibt die unterschiedlichsten Vorstellungen und auch wenn einige Hinweise und Regeln allgemein
bekannt sind, ist das Geben eines qualitativen Feedbacks verhältnismäßig schwer. Feedback kann zum Nachdenken anregen, kann etwas bewegen und der jeweilige Feedbacknehmer kann im besten Falle davon profitieren. Allerdings befindet sich jeder in seiner eigenen Wahrnehmungswelt. Jeder Mensch hat eine unterschiedliche Prägung erfahren durch seine Erziehung, sein Umfeld, seinen Erfahrungen und seinen Überzeugungen. Auch ein gut gemeintes Feedback kann entsprechend schnell missverstanden werden und negative Emotionen hervorrufen. Ebenso, wie das Geben eines guten Feedbacks ist auch das Annehmen eines Feedbacks nicht leicht und bedeutet viel mehr, als nur Regeln zu folgen. Bedachtsam genutzt, kann Feedback jedoch Erstaunliches bewirken.

Ich möchte in meiner Arbeit auf die Funktion des Feedbacks eingehen und auf den Umgang mit Feedback für den Geber und den Nehmer. Auch wenn viele ‚Regeln’ allgemein verbreitet und bekannt sind, sollen sie hier nochmals ausgeführt werden, was vielleicht zum erneuten Nachdenken anregt. Faszinierend für mich war auch die Auseinandersetzung mit der „Macht der Wörter“, d.h. der Wortwahl in alltäglichen Gesprächen. Die ersten Kapitel bilden die Grundlage für die Überlegungen zur Umsetzung im Instrumentalunterricht und für die Gruppenarbeit. Als Geigerin liegt mein Fokus auf dem Instrumentalunterricht, vieles ist aber auch für den Gesangsunterricht oder andere Musikbereiche übertragbar. Meine Überlegungen sollen Anregungen sein, sich intensiver mit Feedback zu beschäftigen.

2. Funktion des Feedbacks

Feedback ist „in sozialen Prozessen eine Methode, um mithilfe von Kommunikation und Interaktion einer konkreten Person eine Rückmeldung über deren Verhalten zu geben“. Auch die wörtliche Übersetzung aus dem Englischen (feed bedeutet „füttern“, back bedeutet „zurück) bietet eine Erklärung dafür, was unter Feedback zu verstehen ist: ‚Rückfütterung von Informationen’ oder ‚Rückmeldung bzw. Rückinformation’. Feedback kann sowohl als nonverbale als auch als verbale Mitteilung gegeben werden und vermittelt dem Empfänger einen Eindruck davon, wie sein Verhalten auf andere bzw. den Feedback-Geber wirkt. Eigene Verhaltensmuster werden dem Feedbacknehmer bewusst und können dadurch verändert werden. Im Alltag wird Feedback unterschiedlich eingesetzt und dient in sozialen Zusammenhängen zum Beispiel zur Gewährleistung einer guten Zusammenarbeit und guten Beziehungen. Feedback gehört zu einem sensiblen, gleichwohl oft genutzten Bereich der Kommunikation und besteht aus den Komponenten Feedback-Geben und Feedback-Nehmen. Viele Komponenten beeinflussen das Feedback: Stimme, Tonhöhe, Betonung, Mimik, Gestik, etc. Feedback ist sehr vielseitig und hat die unterschiedlichsten Funktionen.
Nach Fengler sind folgende Funktionen zu unterscheiden:
• „Feedback steuert Verhalten.
• Feedback hilft, zielgerichtet zu arbeiten.
• Positives Feedback ermutigt.
• Feedback hilft bei der Fehlersuche.
• Feedback fördert persönliche Lernprozesse.
• Feedback hebt die Motivation.
• Feedback hilft bei der Selbsteinschätzung.
• Feedback ermöglicht, sich hilfreiches Feedback zu beschaffen.
• Feedback führt zu einem Zuwachs an Einfluss sowohl beim Empfänger wie beim Geber von Rückmeldungen.
• Feedback bewirkt eine engere Verbindung mit der Aufgabe.
• Feedback hilft bei der Identifikation mit der Arbeitsumgebung und der Planung der beruflichen Entwicklung.
• In Verhandlungen hilft Feedback bei der Einschätzung von Angeboten.
• Feedback hilft, die Qualität von Entscheidungen zutreffend zu bewerten und zu beurteilen.“

Im Instrumentalunterricht unterstützt die richtige Art Feedback zu geben einen sinnvollen Umgang mit Fehlern. Ein scheinbarer Zwang sein Instrument fehlerfrei zu spielen, ist in der klassischen Musik sehr verbreitet. Sowohl das Publikum als auch die Musiker selbst erwarten, dass musikalische Darbietungen ohne Makel seien. Eine solche Erwartungshaltung erhöht aber die Anfälligkeit für Fehler. Wie mit Fehlern im Instrumentalspiel sinnvoll umzugehen ist, muss aber gelehrt und gelernt werden. Denn auch Fehler können als eine hilfreiche Form von Feedback angesehen werden, aus denen hervorragende Leistungen erwachsen können. Anstatt Fehler zwanghaft zu vermeiden, ist ein offener und spielerischer Umgang mit Fehlern pädagogisch meist sinnvoller. Langfristig kann dies die individuellen Leistungen verbessern. Anfangs übernimmt aber der Lehrer die wichtige Funktion des Feedback-Gebens, denn der Anfänger besitzt noch nicht das Vermögen, Fehler als solche zu erkennen und diese zu korrigieren. Im Verlauf des Instrumentalunterrichts soll auch die Fähigkeit zur eigenen Rückmeldung vermittelt werden. Dies ist für das Üben zu Hause und für die Entwicklung zu einem selbständigen Musiker essentiell. Mehr Können auf dem Instrument bedeutet nicht, dass Fehler gänzlich vermieden werden, vielmehr, dass diese immer schneller und effektiver verbessert werden können. Das sofortige Eingreifen und Verbessern des Lehrers im Unterricht ist nicht immer förderlich, denn der Schüler wird erst dann gezwungen sich mit Fehlern auseinanderzusetzten, wenn auch die Lehrperson sich von der Idee des fehlerfreien Lernens befreit und dem Schüler die Möglichkeit einräumt, eigene Leistungen adäquat zu beurteilen. Feedback ist demnach ein Instrument, um den Schüler auf Fehler aufmerksam zu machen.
Das Feedback ermöglicht detaillierte Informationen zu erhalten, wie das eigene Verhalten auf andere wirkt. Im Sport und in der Musik hat das Feedback noch eine weitere Funktion: Rückmeldung über einen Bewegungsverlauf und über das Bewegungsergebnis. Die Informationen beziehen sich auf die Bewegungsqualität. Unterschieden wird zwischen dem intrinsischen Feedback, das durch Eigenwahrnehmung entsteht und dem extrinsischen Feedback, das mündlich durch eine andere Person oder mit Hilfe von Medien wie etwa Video- oder Audioaufnahmen Rückmeldung über das erzielte Ergebnis und den Bewegungsverlauf liefert. Beide Formen des Feedbacks lassen sich effektiv im Instrumentalunterricht einsetzen und sollten ihren Platz im Instrumentalunterricht haben.

Feedback kann motivieren. Allerdings wird eine andere Wirkung erzielt, als durch Lob und Tadel. Gezielt eingesetzt kann Lob ein Verhaltens- und Bewegungsmuster positiv konditionieren und verstärken und das Verhalten kann durch eine Strafe abgeschwächt werden. Dies passiert auf einer unbewussten Ebene. Feedback hingegen führt zu Wissen und beabsichtigt eine bewusste Veränderung im Verhalten des Empfängers. Dieser soll etwas wissen, zum Tun oder Unterlassen angeregt werden oder etwas Bestimmtes empfinden.
Die zahlreichen Funktionen von Feedback führen zu der Frage, wie es erfolgreich gegeben wird.
Fortsetzung folgt…

Danke fürs Lesen!

– Aloisia Dauer
(Aus technischen Gründen, können die Fußnoten leider nicht angezeigt werden. Ich werde das vollständige Quellen- und Literaturverzeichnis veröffentlichen.)

23. Januar 2019

Fehler – Die Chance zum Lernen

Beim Musizieren, Üben, Erlernen von neuen Stücken ist es absolut unmöglich keine Fehler zu machen: Falsche Noten, falscher Rhythmus, schlechte Vorbereitung, falsche Bewegungsabläufe, schlechte Konzentration usw. Es geht gar nicht darum zu versuchen keine Fehler zu machen, sondern wie man mit Fehlern umgeht die im Unterricht, beim Üben zu Hause, beim Vorspiel passieren. Fehler sind ein Teil des Lernprozesses und eine Möglichkeit zum Verbessern und Dazulernen. Fehler können uns auf wichtige Dinge aufmerksam machen, die noch verbessert werden können oder müssen. Aber das Wichtigste ist zu wissen, dass Fehler nicht Versagen bedeutet. Ein Fehler definiert nicht das Können, die Motivation oder sogar die Person. Wenn dir Fehler beim Üben oder im Unterricht bewusstwerden, dann bleibe erstmals ganz ruhig, stehe zu dem Fehler und mach dich ans Analysieren. Versuche ehrlich und objektiv herauszufinden, was falsch gemacht wurde. Was habe ich versucht zu machen? Was lief falsch? An welchem Punkt lief die Bewegung falsch ab? Ist mir der Fehler bewusst oder unterbewusst unterlaufen? Versuche zu verstehen, warum der Fehler passiert ist. Versuche mit besseren und den richtigen Fragen die Herausforderung zu analysieren. Dann geht es ans Verbessern. Was habe ich gelernt, um den Fehler nicht zu wiederholen? Vorbereite dich, frage nach, probiere es noch einmal aus, um den Fehler (eine falsche Note, Rhythmus, ein unschöner Klang, zu schnelles Tempo, …) das nächste Mal zu vermeiden. Auch das Aufschreiben, was man entdeckt und gelernt hat, kann helfen.
Akzeptiere das uns ständig Fehler passieren und das absolut in Ordnung ist. Nutze die als Lernquelle. Genau wie Thomas Edison, der nach tausenden von Versuchen nicht aufgab, bis er die Glühbirne dauerhaft zum Leuchten brachte und der sagte: „Niemals aufgeben! Unsere größte Schwäche ist das Aufgeben. Der sicherste Weg zum Erfolg besteht darin, immer wieder einen neuen Versuch zu wagen.“

Viel Freude beim Musizieren!

– Aloisia Dauer

7. Oktober 2018

Wie übe ich erfolgreich?

Mit dieser Frage beschäftigen sich ziemlich sicher alle Musiker, Lehrer, Schüler und Musikliebhaber. Wie und wann kann ich gut und konzentriert üben, welche Übemethoden helfen mir weiter und wie teile ich mir die Übezeit am besten ein? Beim Üben geht es nicht nur um die Übedauer, sondern vielmehr um die Qualität und Effektivität. „Aber wie kann ich diese verbessern, wenn ich immer nur alleine übe ohne Kontrolle?“, fragt sich sicher der ein oder andere Schüler. Deshalb war ich umso begeisterter, dass „Üben“ zum Thema der ersten Lehrerkonferenz im neuen Schuljahr gemacht wurde. In verschiedenen Gruppen haben die Lehrer sich ausgetauscht und ich möchte hier einige Gedanken zusammenfassen, die in unserer Diskussionsrunde „Erfolgreich üben“ angesprochen wurden.

„Effektiv und erfolgreich üben“ ist konsequentes, sehr fokussiertes Arbeiten an neuen Fertigkeiten oder Schwächen, die gerade etwas über unserem Können liegen, gerade ein wenig außerhalb der Komfortzone. Wir waren uns einig, dass für uns erfolgreich üben bedeutet, das Instrument oder die Stimme so zu beherrschen, sodass das Musikstück ohne Mühe gespielt oder gesungen wird. Das Erfolgsgefühl beim Üben stellt sich ein, wenn man in das Gefühl von „Flow“ kommt. („Flow“ – ein mentaler Zustand völliger Konzentration und restlosen Aufgehens in der Tätigkeit, die wie von selbst abläuft, ein Schaffens- oder Tätigkeitsrausch das ein beglückendes Gefühl auslöst)

Wie erreiche ich diesen Zustand nun regelmäßig beim Üben und nicht nur ab und an? Hier einige Vorschläge, die in unserer Diskussionsrunde gesammelt wurden.

Konzentriere dich auf nur eine Tätigkeit und Aufgabe und minimiere jegliche Störfaktoren. Deshalb schalte jede Ablenkung wie Computer, TV und Smartphone aus. Formuliere ein klares Übeziel für deine Übeeinheit. (In einem der nächsten Beiträge komme ich nochmals auf das Thema Übeziele zurück und stelle mein Übetagebuch vor). Auch eine feste Planung der Übezeit in den Tages- und Wochenplan kann eine große Hilfe sein. Üben soll Teil einer Routine im Tagesablauf werden und regelmäßig stattfinden. Bei jüngeren Schülern sollten die Eltern mit der Planung helfen. Probiere verschiedene Uhrzeiten aus, um die richtige Tageszeit für dich zu finden. Schaffe dir einen ruhigen Übeort, an dem du dich wohlfühlst und nicht abgelenkt wirst, der genug Licht und gute Luft hat und deinen Bedürfnissen entspricht.

Aber nicht nur die äußeren Umstände müssen stimmen, auch innerlich muss der Spielende bereit sein fürs Üben. Im Stress und unter Druck, ist es nicht möglich ruhig und konzentriert zu arbeiten. Atemübungen helfen dem Körper und dem Kopf sich auf das Üben vorzubereiten. Ein paar Minuten hinsetzen, die Augen schließen und nur auf das Ein-und Ausatmen konzentrieren. Anschließend kann ein kurzes Warm-up für die Muskeln den Körper auf das intensive Spielen vorbereiten. Bevor man sich den schwierigen technischen Herausforderungen des Musikstücks stellt, sollte man eine Einspielphase mit dem Instrument einplanen. Das können z.B. leichte Stücke oder Übungen, Tonleiter, usw. sein. Wichtig ist es immer im langsamen Tempo zu beginnen. Die Muskeln merken sich die Bewegungen besser, wenn diese bewusst, korrekt und langsam ausgeführt werden. Das Tempo kann dann allmählich gesteigert werden. Wichtig sind Pausen zwischen langen Übeeinheiten und auch innerhalb einer Übephase. Neue Bewegungsabläufe werden durch häufige Wiederholungen, mit dazwischenliegenden Pausen effektiver abgespeichert. Beobachte dich selbst beim Üben und entdecke, wie du am besten lernst, denn es gibt ganz verschiedene Wege des Lernens. Deshalb ist es wichtig zu Hause und im Unterricht immer wieder neue Übemethoden auszuprobieren und manche auch selber zu erfinden. Das allerwichtigste ist die Freude am Instrument, am Klang, an der Musik, aber es kann auch sein, dass Üben kurzfristig keinen Spaß macht. Auch das gehört dazu und soll kein Hindernis sein, genauso wenig wie bei einer Herausforderung gleich aufzugeben. Es gibt immer einen Weg zum Ziel und Geduld braucht es auch.

Um sich besser einschätzen zu können, kann das Aufnehmen einer Übephase sehr hilfreich sein, um eine objektivere Rückmeldung zu bekommen. Das sind nur einige Anregungen zu diesem Thema, die mich auch wieder an einige Punkte erinnert haben, um jeden Tag erfolgreich zu üben.

Viel Spaß beim Üben!

Aloisia Dauer