Teil 2

2. Februar 2017

Teil 2

Hinweise für ein erfolgreiches Feedback

Die Feedback-Situation ist herausfordernd und die Einhaltung von gewissen Regeln helfen diese Herausforderung zu meistern. Sowohl das Feedback-Geben als auch das Feedback-Nehmen will gelernt sein. Rückmeldungen sollten eher beschreibend als wertend formuliert werden, eher konkret als allgemein. Feedback sollte eher hilfreich sein als zurechtweisend. Das Feedback sollte klar formuliert werden und zielgerichtete Aussagen enthalten. Vage und verschwommene Botschaften können leicht missverstanden werden. Auch Ziele und Wünsche des Feedback-Gebenden müssen verständlich formuliert werden, damit sie konstruktiv und hilfreich wirken können. Selbstverständlich sollten die vermittelnden Botschaften echt gemeint und inhaltlich wahr sein. Wichtig ist die deutliche Unterscheidung von verhaltensbezogenen und charakterbezogenen Mitteilungen.
Im Alltag sollte einem Kommunikationspartner ein Feedback nicht aufgezwungen, sondern zuerst um Erlaubnis gefragt werden. Eine solche Erlaubnis muss im Unterricht nicht immer eingeholt werden. Der Lehrer hat dem Schüler gegenüber eine pädagogische Verantwortung, entsprechend gehören Rückmeldungen über den Lernprozess zum Lehr-Lernprozess dazu. Allerdings muss er auch darüber entscheiden, wie zeitnah an beobachtetem Verhalten ein unmittelbares Feedback gegeben wird. Trotz der ‚Regel’ unmittelbar Feedback zu geben, muss der Lehrer situationsbezogen abwägen, ob ein Feedback eine positive Wirkung erzielen würde. Aufgrund eigener Erfahrungen als Feedback-Nehmer weiß ich, dass einige Feedback-Nachrichten, die unmittelbar nach Konzerten oder Wettbewerbsauftritten gegeben wurden, in diesen Momenten weniger Wirkung erzielt haben. Der Lehrer muss lernen, ob und wann der Schüler offen für eine Rückmeldung ist.
Der Feedback-Geber, der Lehrende, muss zudem versuchen, sich in den Feedback-Nehmer hineinzuversetzen und das Feedback möglichst klar formulieren, so dass der Feedback-Nehmer, der Lernende, dieses auch versteht. Der Lehrer sollte beim Feedback-Geben auch klar zwischen dem Verhalten des Schülers als Musiker und als Mensch unterscheiden. Gerade Feedback zu zwischenmenschlichen Vorgängen muss mit viel Einfühlungsvermögen gegeben werden. Im Instrumentalunterricht stellt neben verhaltensbezogenen Mitteilungen auch die rein motorische Beschreibung eines Bewegungsablaufs ein Feedback-Mittel dar.

1) Hinweise für Feedback-Geber

Ein respektvoller Umgang mit dem Gesprächspartner ist in allen Gesprächsformen Grundlage für eine erfolgreiche Kommunikation. Kommunikation ist nicht nur Austausch von Informationen und Wissen, sondern ermöglicht eine Interaktion zwischen Personen damit Beziehungen aufgebaut werden. Im Instrumentalunterricht bildet die Beziehungsebene von Lehrer und Schüler eine wichtige Grundlage für eine gute Kommunikation. Der Lehrende sollte ein hohes Maß an Sensibilität hinsichtlich der persönlichen Eigenheiten der Schüler und Schülerinnen entwickeln und diesen auch beim Feedback-Geben Wertschätzung und Respekt entgegenbringen.

Die Formulierungen und Wahl der Worte sollten dem Denk- und Erlebnisrahmen des jeweiligen Gesprächspartners angepasst sein, was wichtig ist im Unterricht mit Kindern, genauso wie die Anpassung an Dialekte und sprachliche Besonderheiten. Wie schon im vorherigen Kapitel angesprochen, sollte auch der richtige Umgang mit Fehlern im Unterricht dem Schüler und seinen Fähigkeiten angemessen sein. Bevor der Instrumentallehrer seine Feedback-Nachricht gibt, ist es sinnvoll, dass zunächst der Schüler eine eigene Einschätzung abgibt, also so etwas wie ein Selbstfeedback übt. So ermöglicht sich eine weitere Lernmöglichkeit für den Schüler, wenn dieser zuerst um eine eigene Einschätzung gebeten wird. Feedback sollte mit Bedacht gegeben werden und die am Anfang des Kapitels aufgelisteten Grundsätze können dabei hilfreich sein. Außerdem sollte Feedback zum richtigen Zeitpunkt erfolgen und in ‚kleinen Happen serviert’ werden. Nur so besteht seitens des Feedback-Nehmers die Chance, dass er dieses richtig versteht, verarbeitet und daraus lernt. Rückmeldungen sollten ferner als Aussagen formuliert werden und nicht als Fragen formuliert werden, um ihr Ziel so nicht zu verfehlen. Allerdings können auch gut gestellte, offene Fragen den Schüler zum Nachdenken und zu einem Selbstfeedback anregen.

Der Wertungsmaßstab muss klar definiert sein, genauso wie die zu erfüllenden Kriterien und mögliche herangezogene Vergleiche. Abschließende Fragen können helfen, Missverständnisse zu beseitigen. Eine ruhige und angenehme Atmosphäre kann in einem solchen Prozess dem Empfänger helfen, sich zu öffnen. Entsprechend wichtig ist es, genügend Zeit für ein Feedback-Gespräch einzuplanen.
Im musikalischen Bereich arbeiten Menschen aus verschiedenen Kulturen und mit den verschiedensten Sprachhintergründen zusammen. Einem fremdsprachigen Gesprächspartner Feedback zu geben, bringt die zusätzliche Herausforderung, dass eine sprachliche Hürde überwunden werden muss. Auch auf kulturelle Unterschiede muss der Feedback-Geber achten, damit das Feedback richtig aufgenommen wird. ‚Ich-Botschaften’ und eigene Erfahrungen bieten sich an, um beim Empfänger die Bereitschaft zum Zuhören zu fördern und auch eine gute Gesprächsbasis für ein negatives Feedback zu schaffen. Durch Einschränkungen und angehängte Entschuldigungen wird hingegen das Feedback abgeschwächt oder zurückgenommen. Dies kann beim Gesprächspartner Verwirrung auslösen. Unbewusst gesendete nonverbale Signale mittels der Körpersprache können auf indirekter Weise ein Feedback kommentieren. Eine verbal explizit formulierte Aussage kann leicht durch Gestik und Mimik unterstrichen aber auch widersprochen werden.

Die Kunst liegt demnach darin, ein Feedback zu geben, ohne den Feedback-Nehmer zu verletzen. Dabei lassen sich eindeutig gute von schlechten Formen der Nachrichtenübermittlung unterscheiden. Unangebracht sind etwa ironische Bemerkungen und Scheinfragen, genauso wie Unterstellungen und Vermutungen. Auch eine ungenaue oder pauschale Aussage kann der Feedback-Nehmer schlecht umsetzen. Fehl am Platz sind ferner Anschuldigungen und persönliche Kritik an der Person. Feedback soll sich auf das konzentrieren, was der Gesprächspartner verändern kann. Obwohl der Lehrer oft auch eine therapeutische Funktion im Instrumentalunterricht inne hat, eignet sich der Moment des Feedback-Gebens nicht dazu, Psychoanalyse zu betreiben, denn Instrumentallehrer sind keine geschulten Therapeuten.

2) Hinweise für Feedback-Nehmer

Die innere Haltung und Einstellung ist beim Feedback-Geben und Feedback-Annehmen wichtig. Auch der Empfänger kann einiges beim Annehmen des Feedbacks beachten. Ein Feedback wird erst dann wirksam, wenn es auf einen Empfänger trifft, der von sich selbst eine gute Meinung hat und mit seinen Gefühlen umgehen kann. Der Empfänger kann so vielmehr vom Feedback profitieren. Der Erwerb eines positiven Selbstwerts stellt allerdings einen lebenslangen Lernprozess dar. Eine offene Einstellung seitens des Feedback-Nehmers, gepaart mit einem gesunden Selbstwertgefühl erleichtert dem Feedback-Geber seine Botschaft zu vermitteln. Niedrige Leistungsmotivation und eine fragile Persönlichkeit hingegen erschweren ein erfolgreiches Feedback.

Der Feedback-Geber und der Feedback-Nehmer müssen den jeweiligen Gesprächspartner mit Respekt behandeln. Der Feedback-Nehmer sollte mit einer dankbaren Einstellung aufmerksam zuhören, ausreden lassen und zuerst das Feedback wirken lassen, bevor er sofort beginnt zu antworten und sich gegebenenfalls zu verteidigen. Kontraproduktiv ist es, den anderen zu unterbrechen und sich sofort zu rechtfertigen. Allerdings muss der Feedback-Nehmer deutlich kommunizieren, wenn ein Feedback unerwünscht ist. Auch wenn er nur ein Feedback zu einem bestimmten Verhalten bekommen möchte, ist es hilfreich, dies klar und deutlich dem Feedback-Geber mittzuteilen. Die eigene Wahrnehmung ist subjektiv und Rückfragen können helfen, Missverständnisse zu klären. Die Nachricht sollte deshalb nicht gleich als persönliche Kränkung empfunden werden, allerdings muss bedacht werden, dass der Umgang mit positivem Feedback sehr viel leichter ist, als mit negativem Feedback.

3) Umgang mit Kritik

Die für kritisches Feedback empfohlene ‚Sandwich-Theorie’, ein negatives Feedback zwischen zwei positiven Aussagen zu packen, ist meiner Meinung nach mit Vorsicht zu gebrauchen. Es kann passieren, dass Schüler nur die positive Mitteilung heraushören und das eigentliche kritische Feedback missverstehen. Schon Goethe schrieb: „Zwar hören wir gern, was unsre Meinung bestätigt, aber das Hören bestimmt die Meinung.“

Kritik wird dann als ‚abwertend’ wahrgenommen, wenn sie vom Feedback-Nehmer persönlich genommen wird. Dies jedoch kann der Feedback-Geber jedoch nicht immer beeinflussen, denn was persönlich ist oder nicht, definiert jeder für sich selbst. Eindrücke sind nicht falsch oder richtig, sondern subjektive Wahrnehmungen. Früher oder später wird jeder Mensch mit Kritik an sich oder seinem Verhalten konfrontiert und es liegt an uns zu lernen, damit umzugehen. Für den Feedback-Nehmer ist dann ein kritisches Feedback erfolgreich, wenn er lernt dieses für sich zu deuten und aufkommende negative Gefühle schneller zu verarbeiten. Nagender Selbstzweifel, Selbstverurteilung und schlechte Laune sind Zeichen, dass der Feedback-Nehmer den Umgang mit Kritik von außen noch verbessern kann. Es liegt an uns, Kritik als ein Geschenk zu verstehen und als Chance zur Veränderung.

Eine offene Einstellung erleichtert einen positiven Umgang mit kritischem Feedback. Eine negative Interpretation des Feedbacks seitens des Feedbacks-Nehmers kann die Beziehung zwischen den beiden Gesprächspartner belasten, vor allem dann, wenn Gefühle von Kränkung und Ablehnung nicht offen angesprochen werden. Der Feedback-Geber muss dem Gesprächspartner aber auch die Zeit geben, das Feedback ‚zu verdauen’ und über dieses nachzudenken. Der Feedback-Geber kann mittels seiner Wortwahl ganz wesentlich entscheiden, wie seine Nachricht aufgenommen werden soll. Oft haben Worte ungeahnte Auswirkungen und meistens wird erst dann ihre Kraft bewusst, wenn die Reaktion des Empfängers sichtbar wird.