Teil 1

12. Januar 2017


Kommunikation im Unterricht – Erfolgreich Feedback geben; Abschlussarbeit Aloisia Dauer in Instrumentalpädagogik

Teil 1

Einleitung

Kommunikation ist ein spannendes und umfangreiches Thema, denn es betrifft jeden Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen. Ich wollte in meiner Bachelorarbeit den Schwerpunkt bewusst auf das Thema ‚Feedback geben’ legen und mich intensiver damit auseinandersetzen, auch um für die Arbeit im Instrumentalunterricht dazuzulernen. Wichtig erschien mir nach einem praktischen Zugang zum Thema ‚Feedback geben’ zu suchen.
Der Begriff ‚Feedback’ ist eigentlich den meisten Menschen gebräuchlich, trotz allem wissen die wenigsten, wie ein gutes Feedback formuliert werden sollte. Es gibt die unterschiedlichsten Vorstellungen und auch wenn einige Hinweise und Regeln allgemein
bekannt sind, ist das Geben eines qualitativen Feedbacks verhältnismäßig schwer. Feedback kann zum Nachdenken anregen, kann etwas bewegen und der jeweilige Feedbacknehmer kann im besten Falle davon profitieren. Allerdings befindet sich jeder in seiner eigenen Wahrnehmungswelt. Jeder Mensch hat eine unterschiedliche Prägung erfahren durch seine Erziehung, sein Umfeld, seinen Erfahrungen und seinen Überzeugungen. Auch ein gut gemeintes Feedback kann entsprechend schnell missverstanden werden und negative Emotionen hervorrufen. Ebenso, wie das Geben eines guten Feedbacks ist auch das Annehmen eines Feedbacks nicht leicht und bedeutet viel mehr, als nur Regeln zu folgen. Bedachtsam genutzt, kann Feedback jedoch Erstaunliches bewirken.

Ich möchte in meiner Arbeit auf die Funktion des Feedbacks eingehen und auf den Umgang mit Feedback für den Geber und den Nehmer. Auch wenn viele ‚Regeln’ allgemein verbreitet und bekannt sind, sollen sie hier nochmals ausgeführt werden, was vielleicht zum erneuten Nachdenken anregt. Faszinierend für mich war auch die Auseinandersetzung mit der „Macht der Wörter“, d.h. der Wortwahl in alltäglichen Gesprächen. Die ersten Kapitel bilden die Grundlage für die Überlegungen zur Umsetzung im Instrumentalunterricht und für die Gruppenarbeit. Als Geigerin liegt mein Fokus auf dem Instrumentalunterricht, vieles ist aber auch für den Gesangsunterricht oder andere Musikbereiche übertragbar. Meine Überlegungen sollen Anregungen sein, sich intensiver mit Feedback zu beschäftigen.

1. Funktion des Feedbacks

Feedback ist „in sozialen Prozessen eine Methode, um mithilfe von Kommunikation und Interaktion einer konkreten Person eine Rückmeldung über deren Verhalten zu geben“. Auch die wörtliche Übersetzung aus dem Englischen (feed bedeutet „füttern“, back bedeutet „zurück) bietet eine Erklärung dafür, was unter Feedback zu verstehen ist: ‚Rückfütterung von Informationen’ oder ‚Rückmeldung bzw. Rückinformation’. Feedback kann sowohl als nonverbale als auch als verbale Mitteilung gegeben werden und vermittelt dem Empfänger einen Eindruck davon, wie sein Verhalten auf andere bzw. den Feedback-Geber wirkt. Eigene Verhaltensmuster werden dem Feedbacknehmer bewusst und können dadurch verändert werden. Im Alltag wird Feedback unterschiedlich eingesetzt und dient in sozialen Zusammenhängen zum Beispiel zur Gewährleistung einer guten Zusammenarbeit und guten Beziehungen. Feedback gehört zu einem sensiblen, gleichwohl oft genutzten Bereich der Kommunikation und besteht aus den Komponenten Feedback-Geben und Feedback-Nehmen. Viele Komponenten beeinflussen das Feedback: Stimme, Tonhöhe, Betonung, Mimik, Gestik, etc. Feedback ist sehr vielseitig und hat die unterschiedlichsten Funktionen.

Nach Fengler sind folgende Funktionen zu unterscheiden:
• „Feedback steuert Verhalten.
• Feedback hilft, zielgerichtet zu arbeiten.
• Positives Feedback ermutigt.
• Feedback hilft bei der Fehlersuche.
• Feedback fördert persönliche Lernprozesse.
• Feedback hebt die Motivation.
• Feedback hilft bei der Selbsteinschätzung.
• Feedback ermöglicht, sich hilfreiches Feedback zu beschaffen.
• Feedback führt zu einem Zuwachs an Einfluss sowohl beim Empfänger wie beim Geber von Rückmeldungen.
• Feedback bewirkt eine engere Verbindung mit der Aufgabe.
• Feedback hilft bei der Identifikation mit der Arbeitsumgebung und der Planung der beruflichen Entwicklung.
• In Verhandlungen hilft Feedback bei der Einschätzung von Angeboten.
• Feedback hilft, die Qualität von Entscheidungen zutreffend zu bewerten und zu beurteilen.“

Im Instrumentalunterricht unterstützt die richtige Art Feedback zu geben einen sinnvollen Umgang mit Fehlern. Ein scheinbarer Zwang sein Instrument fehlerfrei zu spielen, ist in der klassischen Musik sehr verbreitet. Sowohl das Publikum als auch die Musiker selbst erwarten, dass musikalische Darbietungen ohne Makel seien. Eine solche Erwartungshaltung erhöht aber die Anfälligkeit für Fehler. Wie mit Fehlern im Instrumentalspiel sinnvoll umzugehen ist, muss aber gelehrt und gelernt werden. Denn auch Fehler können als eine hilfreiche Form von Feedback angesehen werden, aus denen hervorragende Leistungen erwachsen können. Anstatt Fehler zwanghaft zu vermeiden, ist ein offener und spielerischer Umgang mit Fehlern pädagogisch meist sinnvoller. Langfristig kann dies die individuellen Leistungen verbessern. Anfangs übernimmt aber der Lehrer die wichtige Funktion des Feedback-Gebens, denn der Anfänger besitzt noch nicht das Vermögen, Fehler als solche zu erkennen und diese zu korrigieren. Im Verlauf des Instrumentalunterrichts soll auch die Fähigkeit zur eigenen Rückmeldung vermittelt werden. Dies ist für das Üben zu Hause und für die Entwicklung zu einem selbständigen Musiker essentiell. Mehr Können auf dem Instrument bedeutet nicht, dass Fehler gänzlich vermieden werden, vielmehr, dass diese immer schneller und effektiver verbessert werden können. Das sofortige Eingreifen und Verbessern des Lehrers im Unterricht ist nicht immer förderlich, denn der Schüler wird erst dann gezwungen sich mit Fehlern auseinanderzusetzten, wenn auch die Lehrperson sich von der Idee des fehlerfreien Lernens befreit und dem Schüler die Möglichkeit einräumt, eigene Leistungen adäquat zu beurteilen. Feedback ist demnach ein Instrument, um den Schüler auf Fehler aufmerksam zu machen.
Das Feedback ermöglicht detaillierte Informationen zu erhalten, wie das eigene Verhalten auf andere wirkt. Im Sport und in der Musik hat das Feedback noch eine weitere Funktion: Rückmeldung über einen Bewegungsverlauf und über das Bewegungsergebnis. Die Informationen beziehen sich auf die Bewegungsqualität. Unterschieden wird zwischen dem intrinsischen Feedback, das durch Eigenwahrnehmung entsteht und dem extrinsischen Feedback, das mündlich durch eine andere Person oder mit Hilfe von Medien wie etwa Video- oder Audioaufnahmen Rückmeldung über das erzielte Ergebnis und den Bewegungsverlauf liefert. Beide Formen des Feedbacks lassen sich effektiv im Instrumentalunterricht einsetzen und sollten ihren Platz im Instrumentalunterricht haben.

Feedback kann motivieren. Allerdings wird eine andere Wirkung erzielt, als durch Lob und Tadel. Gezielt eingesetzt kann Lob ein Verhaltens- und Bewegungsmuster positiv konditionieren und verstärken und das Verhalten kann durch eine Strafe abgeschwächt werden. Dies passiert auf einer unbewussten Ebene. Feedback hingegen führt zu Wissen und beabsichtigt eine bewusste Veränderung im Verhalten des Empfängers. Dieser soll etwas wissen, zum Tun oder Unterlassen angeregt werden oder etwas Bestimmtes empfinden. Die zahlreichen Funktionen von Feedback führen zu der Frage, wie es erfolgreich gegeben